Soldatische soziale Schlüsselkompetenz

vendredi 6 mars 2015

Im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt habe ich etliche Videos auf YouTube betrachtet, bin aber dabei auch wiederholt auf Material über Afghanistan gestoßen. Da sind immer wieder Szenen zu sehen, in denen sehr schnell, ohne lange Nachdenkzeit zu entscheiden und zu handeln war.



Nicht alles ist vorab trainierbar, aber für einiges gibt es gewiß bestimmte einfache Grundsatzregeln, die eine Orientierung erleichtern. Je mehr Erfahrung der Soldat besitzt, je mehr er weiß und je mehr persönliche, religiöse, patriotische Prinzipien er selbst hat, desto mehr wird in die Entscheidungsfindung einfließen, was einerseits gute Voraussetzung ist, Fehlentscheidungen zu minimieren, andererseits die Sache aber auch verkomplizieren kann. Und ich habe mich bei einigen Szenen gefragt, wie ich da wohl entschieden bzw. wie lange ich gebraucht hätte, um zu einer wohlüberlegten, auch im Nachhinein vertretbaren Entscheidung zu gelangen. Dabei ging es weniger um solche großen Lösungen, wie sie der damalige Oberst und heutige Brigadegeneral Klein beim Angriff auf die Menschen rund um die beiden im Fluß steckengebliebenen Tanklaster zu finden hatte, sondern mehr um kleinere, aber vermutlich öfter anzutreffende Problemsituationen, etwa diese:



Ich steuere ein schweres Fahrzeug, habe Vorgaben für das Tempo, für das Zusammenbleiben des Konvois usw. Da tauchen gleichzeitig mehrere Hindernisse auf, die man nicht umfahren kann. Halten geht auch nicht, denn die Hindernisse könnten vom terroristischen Gegner, der gern hinterhältige, feige (und nur solche!) Hinterhalte baut, genau mit dieser Absicht platziert worden sein: Auf der einen Seite habe ich eine Person, auf der anderen einen parkenden Pkw.

Hierzulande, noch dazu als ziviler Bürger, wäre alles klar: Personenschaden vermeiden, der Pkw wird höchstwahrscheinlich keinen Sprengsatz, höchstens verdünntes Wasserstoffperoxid enthalten, also walze ich den Manta platt - mit dem Restrisiko, daß darin jemand sitzt, sich liebt, ein Kind zur Welt bringt ... Gut, kann ich nicht wissen.



Anders stellt sich das aber im Einsatzgebiet dar: Im Auto könnte zwar wieder jemand sitzen, etwa ein sittsam artige Frau mit ihren Töchtern, die in Hitze und Burka folgsam da ausharren, bis der Pascha endlich seinen Teeschwatz beim Nachbarn beendet hat. Das Auto könnte aber auch eine hochbrisante Bombe sein, von der ordentlich Abstand zu halten wäre. Ok, die Person auf der anderen Seite könnte eine ähnliche Gefahr bedeuten, aber die wäre dann ein Insurgent und eh, vielleicht sogar mit etwas zusätzlichem Gasgeben, zu vernichten.



Am Ende könnte natürlich auch beides harmlos gewesen sein. Klug ist man erst hinterher. Aber um das zu erfahren, muß man die Zwangslage erst mal überleben.



Ach so, in die Entscheidung fließt nun noch eine schnelle Kopfrechnung ein, die ich in Kenntnis der Entschädigungsreglungen der BW und der überaus hohen Verschuldung meines Vaterlandes als Patriot anstelle: Die Person, wenn harmloser Zivilist, wird mit etwa 5.000 $, das Fahrzeug, wenn harmlos, doppelt so schwer* zu Buche schlagen.



Wie entscheidet man nun als Soldat, Patriot, Steuerzahler, egal, ob Christ oder Atheist, richtig?



* SPON-Artikel v. 25.01.15, Titel "Entschädigungen der Bundeswehr: 5000 Dollar für ein Menschenleben, 10.000 Dollar für ein Auto"

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